Wir leben länger. Und fühlen uns jünger.
- Detlef Arnold
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Eine alternde Gesellschaft verlangt einen Perspektivwechsel auf Menschen über 50
Europa altert. Das ist seit Jahren bekannt. Weniger beachtet wird eine zweite Entwicklung: Das Alter verändert sich.
Wir leben länger als jede Generation vor uns. Gleichzeitig fühlen sich Menschen heute jünger als Gleichaltrige früherer Generationen. Beides zusammen verändert nicht nur die Gesellschaft. Es verändert auch Märkte. Für Marken und Unternehmen entsteht draus eine einfache, aber weitreichende Frage: Passen unsere Bilder vom Alter noch zur Realität unserer Kundinnen und Kunden?
Der vermeintliche Widerspruch
"Wir leben länger. Und fühlen uns jünger"
Der Satz klingt zunächst widersprüchlich. Tatsächlich beschreiben beide Aussagen dieselbe
gesellschaftliche Entwicklung.
Die demografischen Daten zeigen, dass Europa älter wird. Die Forschung zum subjektiven Alter zeigt gleichzeitig, dass Menschen ihre eigene Lebensphase heute anders erleben als frühere Generationen.
Das kalendarische Alter bleibt gleich.
Die Lebensrealität verändert sich.
Wer Märkte verstehen will, muss deshalb beide Entwicklungen gemeinsam betrachten
Europa altert
Die Bevölkerungsentwicklung in Europa verändert sich grundlegend.
Nach den aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen von Eurostat wird die Bevölkerung bis 2050 in rund 70 Prozent der europäischen Regionen zurückgehen. Gleichzeitig steigt das regionale Medianalter auf 50,1 Jahre. Damit wächst der Anteil älterer Menschen nahezu überall in Europa. Die Folge sind veränderte Konsummärkte, neue Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen sowie eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung der Generation 50plus.
Diese Entwicklung ist keine kurzfristige Veränderung.
Sie beschreibt den strukturellen Wandel, der unumkehrbar ist.
Wir leben länger
Parallel dazu steigt die Lebenserwartung kontinuierlich.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte die durchschnittliche Lebenserwartung
bei Geburt im Jahr 2025 neue Höchstwerte.
Frauen werden durchschnittlich 83,4 Jahre alt.
Männer erreichen durchschnittlich 79,1 Jahre.
Damit verlängert sich die Lebensphase nach dem 50. Geburtstag kontinuierlich. Für
viele Menschen umfasst sie heute drei oder sogar vier Jahrzehnte.
Diese zusätzliche Lebenszeit verändert Konsum, Mobilität, Wohnen, Gesundheit, Reisen,
Weiterbildung und Freizeit.
Aus einer ehemals späten Lebensphase wird zunehmend ein eigenständiger Lebensabschnitt mit neuen Bedürfnissen und neuen wirtschaftlichen Potenzial.
Wir fühlen uns jünger
Noch spannender ist eine Entwicklung, die sich nicht in Bevölkerungsstatistiken, sondern in der psychologischen Forschung zeigt.
Eine Langzeitstudie der Humboldt Universität zu Berlin kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis:
Menschen zwischen 40 und 85 Jahren fühlen sich im Durchschnitt 11,5 Prozent jünger als ihr tatsächliches Alter.
Dabei handelt es sich nicht um ein individuelles Empfinden einzelner Personen.
Der Effekt zeigt sich generationenübergreifend. Menschen, die heute 60 Jahre alt sind, fühlen sich im Durchschnitt deutlich jünger als 60 Jährige vor zwanzig Jahren. Das subjektive Alter verschiebt sich also kontinuierlich.
Wer sich jünger fühlt, stellt andere Ansprüche an Produkte, Marken und Kommunikation als klassische Altersbilder vermuten lassen.
Was unsere G50PRESONAS® zeigen
Genau diese Entwicklung bestätigt auch die repräsentativ validierte G50PERSONAS® Studie.
Sie zeigt, dass Menschen über 50 keine homogene Zielgruppe sind.
Sie unterscheiden sich in ihren Lebensentwürfen, Einstellungen, Kaufmotiven und Zukunftserwartungen
deutlich voneinander.
Die Studie widerlegt damit verbreitete Altersklischees.
Bis zu 75 Prozent der untersuchten Personas probieren neue Produkte und Marken aus.
37 Prozent haben innerhalb der vergangenen sechs Monate bewusst etwas in ihrem Leben verändert.
Nicht das Alter erklärt Verhalten.
Entscheidend sind Lebensstil, Motivation und persönliche Situation.
Genau deshalb reicht eine sozio-demographische Zielgruppenbeschreibung über das Lebensalter allein heute nicht mehr aus.
Konsequenzen für Unternehmen und Marken
Erstens: Unternehmen sollten Alter nicht länger nur mit Defiziten oder Rückzug verbinden.
Zweitens: Verlieren klassische Altersstereotype zunehmend ihre Aussagekraft.
Drittens: Entstehen neue Wachstumschancen für Unternehmen, die diese Vielfalt verstehen.
Produkte, Kommunikation und Innovation gewinnen an Relevanz, wenn sie sich an tatsächlichen Lebensrealitäten orientieren statt an überholten Altersbildern.
Die Gesellschaft wird älter.
Das Bild vom Alter muss jünger werden.
Genau dabei unterstützen die G50PERSONAS®.
Sie liefern belastbare Erkenntnisse über Lebensrealitäten, Motive und Kaufentscheidungen der Generation 50plus und schaffen damit eine fundierte Grundlage für Marketing.
