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Erfahrung allein ist noch kein Wert.

Autorenbild: Detlef Arnold
Detlef Arnold
10. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Kürzlich war ich bei Horizons by heise zu einem Gespräch über 50plus, Erfahrung und die Arbeitswelt im KI-Zeitalter eingeladen. Die zentrale Frage lautete: Was ist Erfahrung heute eigentlich noch wert? Menschen 50plus gelten schnell als weniger lernfähig, weniger digital und weniger offen für Veränderung. Das sind nichts als Klischees. Und sie stimmen nicht.

Aber auch die gegenteilige Erzählung greift zu kurz: Ältere Mitarbeitende sind nicht allein deshalb wertvoll, weil sie viel Erfahrung haben.

Tucholsky hat es zugespitzt: „Erfahrung heißt gar nichts. Man kann eine Sache auch zwanzig Jahre lang falsch machen.“

Nicht die Zahl der Berufsjahre zählt, sondern was daraus entstanden ist: Urteilskraft. Verständnis für Zusammenhänge. Die Fähigkeit, Folgen abzuschätzen. Und Wissen auf neue Aufgaben zu übertragen. Dafür gibt es inzwischen auch empirische Hinweise. Eine aktuelle OECD-Analyse zeigt, dass Erfahrung KI ergänzen kann.


Viele Menschen 50plus haben Krisen und Umbrüche erlebt: die New-Economy-Blase, 9/11, die Finanzkrise, die Eurokrise, die Pandemie. Zugleich haben sie den technologischen Wandel vom PC über das Internet und das Smartphone bis zur künstlichen Intelligenz mitgemacht – und oft mitgestaltet.

Das ist ein Potenzial. Aber kein Selbstläufer.

Erfahrung bleibt nur wertvoll, wenn sie sich weiterentwickelt. Wenn sie mit neuen Technologien, Geschäftsmodellen und Formen der Zusammenarbeit verbunden wird.

Deshalb sollten wir Erfahrung weder romantisieren noch unterschätzen.

Infografik zu 50plus im KI-Zeitalter: Erfahrung, Urteilskraft, Lernfähigkeit und Zukunftsfähigkeit.

Jugend ist umgekehrt kein Beweis für Zukunftsfähigkeit. Wer mit digitalen Werkzeugen aufgewachsen ist, beherrscht sie vielleicht schneller. Das heißt noch nicht, dass er bessere Entscheidungen trifft.

Im Zeitalter der KI wird Urteilskraft wichtiger, nicht weniger.

Systeme liefern Antworten, automatisieren Abläufe und bereiten Entscheidungen vor. Die Verantwortung für Einordnung, Risiken und Folgen bleibt beim Menschen.

Unternehmen sollten deshalb nicht das Alter bewerten, sondern die Fähigkeiten.

Was kann jemand? Was kann er noch lernen? Und wo wird seine Erfahrung für die Zukunft relevant?

Die Zukunft gehört nicht den Jungen oder den Alten. Sie gehört den Lernfähigen: Mitarbeitenden und Unternehmen, die Erfahrung mit neuem Wissen verbinden. Über diese Fragen habe ich mit Horizons by heise gesprochen. Das vollständige Gespräch gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=ylclOJmDh_g Quelle: André, C. & Schief, M. (2026). A potential boost from AI in ageing societies: Early insights. OECD Economics Department Working Papers, No. 1870, OECD Publishing.


 
 

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