Protein altert schlecht

Aktualisiert: vor 5 Tagen
Protein ist ein Schweizer Taschenmesser. Doch verkauft wird es vor allem als Flaschenöffner.
Das Pew Research Center hat im September neue Zahlen zur Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln in den USA veröffentlicht. Sie zeigen einen auffälligen Unterschied zwischen Protein und anderen Supplements.
Bei Vitaminen und Mineralstoffen steigt die Nutzung mit dem Alter deutlich:
von 48 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen auf 73 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen und 81 Prozent bei 65plus.
Bei Protein läuft es genau andersherum:
37 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nutzen Proteinprodukte, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 35 Prozent. Danach geht es weiter bergab: 29 Prozent bei 50 bis 64, nur noch 23 Prozent bei 65plus.
Ausgerechnet Protein.
Protein im Alter wird wichtiger
Denn während die Nutzung sinkt, gewinnt eine ausreichende Proteinzufuhr im Alter an Bedeutung. Die DGE setzt den Schätzwert ab 65 Jahren höher an als für jüngere Erwachsene: 1,0 statt 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Die europäische Fachgesellschaft ESPEN empfiehlt gesunden älteren Menschen 1,0 bis 1,2 Gramm.
Es geht dabei nicht um den dickeren Bizeps.
Gerade im höheren Alter geht es um Muskelerhalt und körperliche Funktion. Und damit um einen wichtigen Baustein von Healthy Aging.
Eine umfangreiche Meta-Analyse von Coelho-Júnior et al. mit mehr als 23.000 älteren Erwachsenen zeigt: Eine höhere Proteinzufuhr ist mit besserer körperlicher Leistungsfähigkeit und größerer Muskelkraft verbunden.
Protein hat sich ziemlich jung eingerichtet
Wer sich Proteinprodukte und ihre Kommunikation anschaut, landet schnell bei Fitness, Sport und Muskelaufbau. Das funktioniert. Es ist nur ein ziemlich kleiner Ausschnitt dessen, was Protein kann.
Mit 50plus verändert sich der Blick auf Muskeln. Es geht weniger darum, beim nächsten Training noch etwas draufzupacken. Muskeln werden wichtiger, weil wir sie im Alltag brauchen und möglichst lange behalten wollen.
Daraus ergibt sich auch für die Vermarktung eine andere Perspektive. Nicht, indem man älteren Menschen denselben Shake mit grauem Etikett hinstellt. Sondern indem man Protein mit dem verbindet, was für sie relevant ist.
Man könnte einfach mal das ganze Schweizer Taschenmesser nutzen.
Quellen
Pew Research Center: About 8 in 10 Americans take supplements, and many see them as important to their health, 10.09.2026
https://www.pewresearch.org/short-reads/2026/09/10/about-8-in-10-americans-take-supplements-and-many-see-them-as-important-to-their-health/?utm_source=chatgpt.com
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte zur Proteinzufuhr:
https://www.pewresearch.org/short-reads/2026/09/10/about-8-in-10-americans-take-supplements-and-many-see-them-as-important-to-their-health/?utm_source=chatgpt.com
ESPEN Expert Group: Empfehlungen zur Proteinzufuhr im AlterCoelho-Júnior et al., Ageing Research Reviews, 2022
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24814383/
